Roman Abramowitsch (1966- )
Abramowitsch: “What’s the difference between a rat and a pet mouse? Public relations.”
Roman Abramowitsch gilt als einer einer der schillernsten und exzentrischsten Oligarchen des Neuen Rußland. Ein Waisenkind und Schulabbrecher aus der westsibirischen Provinz, das in den 90er Jahren während der Jelzin-Zeit zu einem mächtigen Öl- und Metalltycoon aufstieg und Teile seines Vermögens 2003 durch Verkauf von Beteiligungen ins "sichere" Ausland transferieren konnte. In England machte er 2003 durch den Kauf des englischen Fußballvereins Chelsea und seine exorbitante Einkaufspolitik Furore.
Im Schatten von Beresowski
Nach ersten kommerziellen Gehversuchen mit Plastikspielzeug und Autoteilen, stieg Abramowitsch, 1992 in den Ölhandel ein. Sein Startkapital sollen 5.000 Tonnen Heizöl gewesen sein, die er sich mit Hilfe gefälschter Dokumente angeeignet hatte. Über die Handelsfirma RUNICOM wickelte er größere Öldeals mit Raffinerien ab, vor allem mit der größten russischen Raffinerie im sibirischen Omsk. Diese ist heute das Kernstück des Sibneft-Konzerns, den Abramowitsch mittlerweile kontrolliert.
Der entscheidende Tag für den Aufstieg zu einem der reichsten Männer Rußlands war für Abramowitsch 1992 eine Begegnung mit Boris Beresowski, dem damals mächtigsten Tycoon in Rußland. Dieser erkannte die Talente von Abramowitsch und kürte ihn zu seinem Kronprinzen.
Beresowski führte ihn in die innersten Zirkel des Staatspräsidenten Jelzin ein und übertrug Abramowitsch wichtige Managementposten in seinem Imperium: 1996 zog er in den Vorstand der mächtigen Ölgesellschaft Sibneft ein, die Beresowski mit Hilfe von engen Gefolgsleuten wie Abramowitsch und Jewgeni Schwidler im Zuge der Privatisierung zu einem Spottpreis gekauft hatte. Abramowitsch residierte in der Moskauer Zentrale von Sibneft und besaß 1996 12,2% dieser Gesellschaft.
Die Graue Eminenz im Kreml
Der smarte Abramowitsch stieg zu einem engen Vertrauten der einflußreichen Jelzin-Tochter Tatjana auf und freundete sich auch mit dem Staatspräsidenten selber an. Gegen Ende der Jelzin-Ära wurde er oft als eigentlicher Strippenzieher, als Graue Eminenz und Finanzier des Kreml bezeichnet. Diese exponierte Stellung nutzte er für zahlreiche Insidergeschäfte im Öl- und Metallsektor und für den Aufstieg seiner Ölgesellschaft SIBNEFT.
Übernahme des Beresowski-Imperiums
Beresowski galt um 1998 als der reichste und mächtigste Unternehmer Rußlands, der zunehmend politische Ambitionen zeigte. Der von ihm mitfinanzierte neue Staatspräsident Putin suchte schon früh einen Machtkampf gegen ihn. Putin setzte die Staatsanwälte auf Beresowski an, die zahlreiche Klagen wegen Betruges, Steuerhinterziehung, Geldwäsche u.a. Delikte vorbereiteten. Beresowski flüchtete daraufhin über Nacht ins Ausland.
Das Machtvakuum in seinem Imperium füllte sein Protege Abramowitsch schnell aus. Er übernahm sowohl die Ölinteressen, Aluminium-Interessen (später: RUSAL), Anteile an Aeroflot (26%) als auch die größte TV-Gesellschaft ORT von Beresowski für nur 1 Milliarde $, zu einem Bruchteil des eigentlichen Wertes.
Aufbau eines Finanz- und Industrieimperiums
Abramowitsch bündelte seine Beteiligungen in der Holding MILLHOUSE Capital/London.
Sie kontrolliert 88% des sehr profitablen SIBNEFT-Ölkonzerns, 26% der Fluggesellschaft Aeroflot und 50% des russischen Aluminium-Monopols RUSAL (2 größter Aluminiumproduzent/Welt).
Daneben hält Abramowitsch noch Anteile im Versicherungs-, Atuomobil- und Papierbereich. Er besitzt u.a. einen 37.5% Anteil an der RusPromAvto Holding (Kontrolle über dn 2. größten Autoproduzenten GAZ). Partner ist dort der Tycoon Oleg Deripaska.
2000 fusionierte Abramowitsch die Aluminiumbeteiligungen seines Sibneft-Konzerns mit dem Aluminiumkonzern von Oleg Deripaska, um den quasi-Monopolisten RUSAL zu formen. Seinen 50% Anteil halbierte Abramowitsch im Jahre 2003 für 2 Mrd $ an Deripaska, um später auch noch den Rest an Deripaska zu verkaufen.
Der Politiker Abramowitsch
Das Beispiel seines Mentors Beresowski vor Augen suchte Abramowitsch Schutz vor einer etwaigen Verfolgung durch eine politische Karriere. Mit Erfolg konnte er einen Parlamentssitz in der Duma erringen und sich damit die Immunität sichern. Gegen Ende des 90erJahre investierte er dann einen zweistelligen Mio $-Betrag aus seiner eigenen Tasche, um die 79 000 Einwohner der kleinen ostsibirischen Provinz Tschukotka erfolgreich davon zu überzeugen, ihn zum Gouverneur zu wählen.
Kritiker sahen in seiner Wahl nur den ersten Schritt für weitergehende politische Aspirationen von Abramowitsch. Weitere Motive dürften wohl auch in den vermuteten Ölvorräten in dieser Provinz liegen. Im April 2004 konnte Sibneft dann auch das erste Öl in Tschukotka fördern.
Mitte 2004 wurden Ermittlungen gegen die Regierung von Tschukotka eingeleitet. Vorwurf: Finanzielle Unrgelmäßigkeiten, die 1/3 des Budgets umfassen. 22 Konzerne sollen durch eine Registrierung in Tschukokta hunderte Millionen € Steuern der Zentralregierung umgangen haben. Darunter befinden sich natürlich auch einige der Fimen von Abramowitsch.
Der Ausverkauf seines Imperiums
2001 und 2002 häuften sich die Ermittlungen gegen einige der reichen russischen Oligarchen und Putin verschärfte seine Kurs gegen die mächtigen Unternehmer. Auch der Ölkonzern SIBNEFT stand im Visier der Ermittlungen.
Anfang 2003 wurden Abramowitsch in der russischen Presse noch weitreichende Expansionspläne in der russischen Ölindustrie nachgesagt, doch im Laufe des Jahres verdichteten sich die Anzeichen für einen möglichen Rückzug aus Rußland. Ähnlich wie dem Ölmagnaten Chodorkowski, an dem Putin dann im Oktober 2003 ein Exempel statuierte, drohten Abramowitsch weitreichende staatsanwaltliche Ermittlungen.
Abramowitsch verkaufte die Anteile an der Ölgesellschaft Sibneft an seinen Konkurrenten Chodorkowski (YUKOS), seine Kontrolle über Aeroflot und die Hälfte seines Anteils am Aluminiumkonzern RUSAL. Der Milliardenerlös floss in die Londoner Holding Millhouse Capital.
Ende des Jahres wendete sich dann das Blatt durch das Vorgehen gegen Chodorkowski. Die Fusion von Abramowitschs Ölkonzern Sibneft mit Yukos, die schon weitgehend abgewickelt war, wurde kurzfristig abgesagt. Abramowitsch versucht offensichtlich die mißliche Lage seines Oligarchen-Kollegen Chodorkowski für seine Zwecke auszunutzen.
Abramowitsch hat sich mit der Putin Administration sehr gut arrangiert. 2005 forderten die Steuerbehörden vom Sibneft-Konzern eine Milliarde $ an Nachforderungen. Angesichts des Yukos-Falles eine durchaus bedrohliche Situation. Doch Abramowitsch konnte die Forderungen auf 300 Millionen $ runterverhandeln, da sich die Behörden in seinem Fall verhandlungsbereit erkärten. Als Belohnung für die Arbeit des letzten Jahres gewährte Sibneft Mitte 2005 seinen Aktionären eine Dividendenausschüttung in Höhe von 2,3 Milliarden $. Schon in den Jahren zuvor investierte Sibneft die Gewinne nicht in dringend benötigte Modernisierungen und Erschliessungen, sondern verteilte das Geld an die Besitzer: 2002: 1,1 Mrd $; 2003: 1,2 Mrd $. Bei einem Anteil der Millhouse Holding von 72% an Sibneft, bekam Abramowitsch weiteres Spielgeld für seine Fußballvereine.
Den größten Coup landete Abramowitsch dann im September 2005, als er, wie lange erwartet, den Sibneft-Konzern an Gazprom veräußerte. Genauer gesagt verkaufte die Millhouse Capital Holding ihren 72,6% Anteil für 13 Milliarden $.
Investmentbanker und die russische Presse kamen zu unterschiedlichen Deutungen des Deals. Einerseits wurde betont, dass Sibneft auf dem internationalen Markt leicht den doppelten Verkaufserlös erzielt hätte. Andererseits erwarteten viele Beobachter, dass der Kreml den Preis für den Ausstieg von Abramowitsch enorm drücken würde, gerade vor dem Hintergrund des Yukos-Falles. Die unklare Besitzstruktur der Millhouse Capital Holding veranlasst viele Beobachter zu der Vermutung, dass sowohl Mitglieder aus dem Jelzin-Umfeld beteiligt sind als auch Personen aus dem Putin-Umfeld davon proftieren, dass Abramowitsch nun sein Tafelsilber verkaufen darf.
Der "Neureiche Russe" im Ausland
2003 schaffte es Abramowitsch dann in die Schlagzeilen der europäischen und besonders der britischen Presse. Auslöser war der Kauf des englischen Fußballvereins Chelsea und der folgende Aufkauf von Spitzenspielern aus ganz Europa. Abramowitsch zahlte gigantische Abläsesummen und Gehälter und schuf sich in kurzer Zeit einen europäischen Spitzenclub. Es investierte über 400 Mio $ in sein neues Hobby. Als die Kritik in Russland an seinem Engagement im Ausland zunahm, sponsorte er zusätzlich den Moskauer Spitzenklub ZSKA Moskau mit 50 Millionen Euro. ZSKA Moskau gewann auch prompt in diesem Jahr den UEFA-Cup, ein Erfolg der Chelsea in der Champions League verwehrt blieb.
Abramowitsch pflegt in Europa auch das Stereotyp des neureichen Russen. Neben Prachtwohnsitzen in West Sussex/England und St. Tropez, erwarb er auch ein 46 Millionen $ Anwesen am Londoner Eaton Square aus dem Besitz des Duke of Westminster. Da darf auch eine 90 Millionen $ Yacht namens "Le Grand Bleu" nicht fehlen oder eine Boeing 767 für 100 Mio$.
Der Einstieg in den Stahlbereich
Seine Milliardenerlöse aus dem Verkauf seines Öl- und Aluminiumimperiums investierte Abramowitsch in den Stahlsektor: mit 41% beteiligte sich die Millhouse Holding von Abramowitsch und Partnern an der Euras-Holding von Abramow. Damit kontrollieren sie eines der größten vertikal-integrierten Montanunternehmen in Russland
Russische Beobachter mutmaßen, dass der Einstieg ein Teil eines Deals war. Abramowitsch erhält einen sehr guten Preis für seinen Ölkonzern vom staatlich kontrollierten Gasprom-Konzern. Im Gegenzug investiert er in die Stahlindustrie, einen strategisch wichtigen Sektor, den der Kreml wieder unter seine Kontrolle bringen will.
Ende 2007 beteiligte sich Abramowitsch auch am Goldkonzern Highland Gold Mining.
Der 1964 geborene Ölingenieur und Consultant bei Deloitte & Touch ist seit 1992 ein enger Partner von Abramowitsch. Gemeinsam gründeten sie die Ölhandelsfirma Runicom und er gehörte zu den Investoren, die sich die Kontrolle über den Ölkonzern Sibneft sicherten. Schwidler ist Präsident und Finanzdirektor von Sibneft. Er hält auch eine Beteiligung an der Millhouse Capital Holding in London.
Schwidler ist US-Staatsbürger und wie so viele andere Oligarchen kaufte er sich für 40 Millionen $ ein stattliches Ansehen in Belgravia/London. 2005 erwarb er noch das Weingut Chateau Thenac in der Bordeaux Region.
(1963- )
- rechte Hand von Abramowitsch
- Er repräsentiert die Interessen von Abramowitsch bei Rosneft, Rusal und Aeroflot
- Vorstand Sibneft, Pres. Millhouse Capital
- Senator
(1970- )
Enger Freund von Abramowitsch
Sein Vater war Präsident von Noyabrskneftegaz (Sibneft's größte Produktionsfirma) und erster Präsident von Sibneft
- CEO Sibneft
- Vize-Gouverneur der Ölprovinz Tschukotka, in der Sibneft ab 2004 das erste Öl fördern konnte.
- Azeri aus Dagestan
- enger Freund von Abramowitsch
- 90er Jahre: Nafta Moskva Oil (größter Ölhändler)
- er elangte die Kontrolle über Teile der ausländischen Werte des ehemaligen sowjetischen Ölexport-Monopolisten
- FK Kapital Holding; Anteile an Gazprom, UES und Sberbank
- Seit 1999 Abgeordneter
- 2003 versuchte er vergeblich, der Fußballverein AS Roma zu kaufen
- Er zahlte der Sängerin Kylie Minogue 1 Million $ für einen 20-Minuten Auftritt bei einer Party
- 2005 kaufte er den Goldkonzern Polimetall
- 2006 kaufte er eine 90m Yacht bei der deutsche Lürssen-Werft