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Wie entstanden Rußlands große Vermögen?
 
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Boris Beresowski

Beresowski gilt als einer der zwielichtigsten und undurchsichtigsten Tycoone der neuen russischen Elite. In kurzer Zeit stieg er zum reichsten Mann im russischen Reich auf. Er verfügte über sehr gute Kontakte zu Politikern, insbesondere zu Jelzin, vermittelte im Tschetschenien-Konflikt, baute sich ein Medien-Imperium auf und investierte in diverse Wirtschaftszweige.

Jelzins Nachfolger Putin ging dann jedoch energisch gegen seinen Förderer und Strippenzieher Beresowski vor: Beresowski ging ins Exil.

Der Theoretiker nutzt sein Wissen

Boris Beresowski arbeitete 20 Jahre an Eliteinstituten der Sowjetunion bevor er sich zum Einstieg in die Privatwirtschaft entschloss. Seit 1969 betrieb Beresowski, der über die Entscheidungstheorie promovierte, mathematische Forschungen im Bereich der Automatisierung. Genutzt wurden die Erkenntnisse im Raketen- und Flugzeugbau sowie in der Industrieproduktion.

An seinem Institut entwickelte Beresowski als Abteilungsleiter eine Managementsoftware, die er mit Beginn der Perestroika über eine Privatfirma an Konzerne vertrieb. Diese Firma war eines der sog. "Wissenschaftlich-Technischen Zentren", die großen Konzernen Forschungsergebnisse und Dienstleistungen anbot. Einer der Hauptabnehmer der Software war der grosse Automobilkonzern Avtovaz.

Beresowski gilt als sehr energischer Netzwerker, als absoluter Machertyp und Organisator. Durch seine Beharrlichkeit schaffte er es, sich als russischen Mittelsmann zwischen der italienischen Firma Logosystmes Spa und Avtovaz zu etablieren. Logosystem war für die Wartung der technischen Anlagen von Avtovaz verantwortlich.

Beresowski überzeugte das Avtovaz-Management, eine gemeinsame Firma namens LOGOVAZ zu gründen, um in den Autohandel einzusteigen.

Die Plünderung des Autokonzern Avtovaz

Avtovaz produzierte u.a. das Lada-Auto und war der grösste Autoproduzent der Sowjetunion. Unzählige Avtovaz-Manager zweigten Gelder des Konzern ab und mit den Zusammenbruch des alten Vertriebssystems entbrannten blutige Kämpfe. Zahlreiche Händler und Kriminelle nahmen Autos auf Kommission und bezahlten erst viel später oder nie.

Beresowski dachte in größeren Dimensionen als seinen Konkurrenten. Er beteiligte die obersten Avtovaz-Manager an seiner Logovaz-Firma und baute das größte Autohändlernetz in Russland auf. Grundlage dafür waren spezielle Verträge mit Avtovaz.

Mit einem 5 Mio $ Kredit von Avtovaz importierte er in einem riskanten Manöver 846 Fiat Autos von Logosystem. Durch dieses Manöver gewann er das Vertauen des Managements. LOGOVAZ nahm Avtovaz die größten Mengen Autos ab. 10 000ende Autos wurden auf Kommission übernommen: 10% Anzahlung und der Rest musste erst 2 ½ Jahre später zurückgezahlt werden. Durch die Hyperinflation waren die Autos für Logovaz fast geschenkt, denn in der Zwischenzeit war der Wert des Rubel gegenüber dem Dollar fast um das Zehnfache gesunken. Von dieser sehr günstigen Regelung profitierten nicht nur Beresowski, sondern auch die Avtovaz-Manager, die die eigentlichen Gewinne des Konzerns in die eigenen Hände privatisierten.

Der getürkte "Volkswagen"

1993 gründete Beresowski gemeinsam mit dem Avtotaz-Chef Kadannikow die All-Russian Automobile Alliance (AVVA), die 50 Millionen $ Avtotaz-Anleihen an russische Investoren verkaufte. Die Rückzahlung der Gelder sollte in Form von Autos geschehen.

Die Investoren erhielten keine Aktien an AVVA, sondern nur stimmrechtslose Zertifikate, die sie später in Aktien von AVVA umtauschen sollten. Beresowski versprach, 100 000 Autos via Lotterie zu verlosen, allerdings nur für Investoren, die ihre Zertifikate behielten. Die Mehrheit hielt deshalb die Papiere. Beresowski konnte die Kontrolle behalten und die 50 Millionen $ für sich nutzen.

Eigentlich sollte mit dem Geld eine Autofabrik gebaut werden. Doch nach 3 Jahren wurden die Pläne offiziell aufgegeben, angeblich wegen des Rückzuges ausländischer Investoren. Die Halter der Zertifikate gingen leer aus, denn sie waren wertlos, wenn der Besitzer keine Stelle fand, die die Zertifikate in AVVA-Aktien umtauschte. Außerdem wurden statt 100 000 Autos nur 14 000 Autos verlost und keinerlei versprochene Dividenden bezahlt.

In der Zwischenzeit hatten Beresowski und Kadannikow die Investorengelder genutzt, um bei der Privatisierung 1/3 der Anteile am Avtovaz-Konzern aufzukaufen. AVVA zahlte als einziger Bieter nur 3,1 Millionen $ für die Anteile.

Durch die hohen Gewinnabzüge der Manager geriet der Avtovaz-Konzern immer stärker in eine finanzielle Schieflage und konnte 1998 nur durch eine staatliche Schulden-Umstrukturierung vor dem Konkurs gerettet werden.

1999 begannen erste staatsanwaltliche Ermittlungen im Avtovaz-Umfeld. Bis dato starben 65 Manager, Autohändler und Konkurrenten von Avtovaz.

Aeroflot

Auch bei Aeroflot zeigte Beresowski, dass nicht die vollständige Kontrolle eines Konzernes entscheidend ist, sondern die Kontrolle des Gewinnflusses.

Die grösste russische Fluggesellschaft Aeroflot wurde nur teilprivatisiert und die Mehrheit befand sich weiterhin in staatlichen Händen. Im Kampf gegen seinen Erzrivalen Gussinski konnte sich Beresowski die Kontrolle über die Aeroflotgelder sichern.

Der staatliche Aeroflot-Konzern bezahlte die Gehälter der Angestellten und die Maschinen. Die Verkäufe der Aeroflot-Tickets ins Ausland wurden jedoch über eine Tochtergesellschaft abgewickelt und der Großteil der Erlöse (zwischen 80 und 220 Mio $) landete als Devisen auf ausländischen Konten. Beresowski kontrollierte diese Tochtergsellschaft, ohne an der Muttergesellschaft Aeroflot in großem Stile beteiligt zu sein.

Schlüsselfigur war der Finanzchef von Aeroflot, Nikolai Gluschkow, Mitbegründer von Logovaz und ein enger Partner von Beresowski. Im Februar 1999 startete der neue Premierminister Primakow eine Kampagne gegen die Oligarchen und leitete Ermittlungen gegen Aeroflot ein. Alle Beresowski-Vertrauten verloren ihre Posten und einige erhielten Haftstrafen. Beresowski konnte seine Kopf jedoch retten.

Der Strippenzieher

Anfang 1996 war Beresowski mit hohem finaziellem Einsatz und durch den größten TV-Sender ORT maßgeblich an der Kampagne zur Wiederwahl Jelzins beteiligt. Als Dank erhielt er den Posten des Vize-Präsidenten der Natoinalen Sicherheitsrates und später stieg er zum Exekutiv-Sekretär der GUS auf (bis 1999).

Bei den Privatisierungen konnte er sich den Zuschlag für den Ölkonzern Sibneft sichern. Mit Unterstützung des Oligarchen und Bankiers Smolenski und seinem Zögling Roman Abramowitsch übernahm er 51% an Sibneft für nur 100 Mio $. Beresowski war nicht an einem langfristigen Aufbau eines Ölkonzerns interessiert, sondern nur an den Gewinnen. Aufgrund fehlender Investitionen war die Produktion Sibnefts in der gesamten Jelzin-Ära rückläufig und die Gewinne und der Umsatz brachen ein, nicht zuletzt durch die Abzweigung von Exporterlösen auf ausländische Konten.

In den Jahren 1996-2000 galt Beresowski als der mächtigste russische Oligarch. Grundlage dafür war die Freundschaft mit Jelzins Tochter Tatjana Djatschenko und zur sog. "Jelzin Family". Präsident Jelzin war gesundheitlich schwer angeschlagen und die "Jelzin Family" kontrollierte den Zugang zum Präsidenten und traf wichtige Entscheidungen für Präsident Jelzin.

Als Meister der Intrigen wirkte Beresowski an wichtigen Personalentscheidungen im Kreml mit. Als im Februar 1999 der neue Premierminister Primakow gegen Beresowski und seine Geschäfte ermittelte, flüchtete Beresowski ins Exil nach London. Doch Primakow konnte sich nicht lange halten und sein Nachfolger stellte die Ermittlungen wieder ein.

Der Medientycoon

Beresowski nutzte immer wieder seine Medien, um seine Interessen und die der Jelzin Family durchzusetzen. Grundlage dafür war die Kontrolle über den größten russichen Sender ORT, der als einziger TV-Sender landesweit zu empfangen war. Der Staat privatisierte Teile des Senders, behielt jedoch die Kontrollmehrheit von 51%. Nichtsdestotrotz war der größte private Aktionär Beresowksi der eingentlich starke Mann. Durch Platzierung von Gefolgsleuten beherrschte er den ORT-Sender.

Jahrelange lieferte sich Beresowski einen Medienkrieg mit seinm Erzrivalen Gussinski, der im Gegensatz zu ihm, seinen Fernsehsender von Grund aufgebaut hatte. 1999 erwarb Beresowski über Strohmänner das Verlagshaus Komersant mit der einflussreichen Tageszeitung Komersant und den Zeitschriften "Wlast" (Macht) und "Dengi" (Geld).

Beresowski förderte 1999 dann mit seinem TV-Sender ORT den weithin unbekannter Politiker Wladimir Putin, indem er eine umfassende Schmierenkampgane gegen mögliche Rivalen wie Luschkow und Primakow führte. Außerdem organisierte er die parlamentarische Unterstützung für Putin, der schließlich im August 1999 zum Premierminister ernannt wurde.

Putin und der Gang ins Exil

Im Frühjahr 2000 bekam die Beziehung zwischen Beresowksi und Putin erste Risse. Der Strippenzieher Beresowski erkannte, dass Putin nicht so einfach zu beeinflussen war wie der kranke Jelzin.

Über seinen ORT TV-Sender kritisierte Beresowski immer offener den neuen Autoritarismus von Putin und plädierte für eine starke Opposition. Präsident Putin forderte Beresowski daraufhin informell auf, die Kontrolle über den grössten russischen TV-Sender aufzugeben, sonst würde er "den Knüppel gebrauchen". Auslöser für Putins Vorgehen war die Berichterstattung über den Untergang des Atom U-Bootes Kursk und über die Tschetschenienfrage. Beresowski plädierte für eine friedliche Lösung des Konfliktes.

Mit umfangreichen Ermittlungen und der drohenden Verhaftung brach er den mächtigen Beresowski, der sich nach London ins Exil zurückzog. Es folgten Razzien gegen Aeroflot und Avtovaz. Manager wurden verhaftet und Beresowski zur Fahndung ausgeschrieben.

Beresowski musste den Großteil seines Imperiums abstossen. Grösster Nutzniesser war sein Vertrauter Roman Abramowitsch, der durch die Übernahme des Ölkonzerns Sibneft und des TV-Senders ORT in die erste Riege der Oligarchen aufsteigen konnte. Beresowskis zweiter TV-Sender TV-6 verlor die Lizenz. Nach eigenen Angaben erhielten Beresowski und sein Kompagnon Badri Patarkatsishvili jeder fast 1 Milliarde $ für ihre Anteile.

Von seinem Londoner Exil versucht Beresowski weiterhin, Einfluss in Russland zu nehmen. In altem Stile versuchte er eine einheitliche Opposition gegen Putin aufzubauen. Mit der "Liberalen Partei" schuf er seine eigene Partei, deren Mitgründer Wladimir Golowljew und Sergej Juschenkow allerdings ermordet wurden. Schließlich unterstützte er sogar die kommunistische Partei mit Millionen $.
Mitte 2005 verkündete er, dass er mit dem ebenfalls exilierten Tycoon und ehemaligen Erzfeind Gussinski sowie dem geflüchteten Yukos-Miteigentümer Newslin die Anti-Putin Kräfte bündeln möchte.

Die englischen Behörden lieferten Beresowski nicht nach Russland aus, sondern gewähren ihm bis heute Aufenthaltsrecht. Nach dem Machtwechsel in der Ukraine Anfang 2005 verkündete Beresowski, sich demnächst in der Ukraine nieder zu lassen . Dort möchte er sich auch an möglichen Privatisierungen beteiligen.

Er machte in der Ukraine seinem Ruf als Strippenzieher und Trouble Shooter wieder alle Ehre. Nach der "Orangenen Revolution" und der Wahl von Juschtschenko zum neuen Staatspräsidenten stellte sich heraus, dass Beresowski einen erheblichen Teil des Wahlkampfes von Juschtschenko finanzierte, änlich wie 1996 bei Boris Jelzin. Beresowski will 15 Millionen $ gezahlt haben. Damit bringt er den ukrainischen Präsidenten in Bedrängnis, denn eine Finanzierung aus dem Ausland ist illegal.

2007 war Beresowski in mehrere Gerichtsverfahren verwickelt. Es liegt ein brasilianischer Haftbefehl gegen ihn vor, da er in Finanzdelikte im brasilianischen Fußballbereich verwickelt sein soll. Im November 2007 veruteilte ihn ein russisches Gericht im Avtovaz-Prozess zu sechs Jahren Haft in Abwesenheit. Auf der anderen Seite reichte Beresowski in London Klage gegen Roman Abramowitsch ein. Er möchte Milliarden $ von seinem ehemaligen Kompagnon Abramowitsch haben, da er nur unter Zwang seine Anteil an diesen verkauft habe.

Stand: 1.12.2007

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Die aktuellsten Entwicklungen in Russland im Blog


Vermögen
Forbes 1997: 3,0 Mrd $
Forbes 1998: 1,1 Mrd $
Forbes 2004. 620 Mio $

Preisvergleich
 


Tschetschenien-Connection
Laut dem amerikanischen FORBES-Magazin soll Beresowski seinen Autohandel in enger Zusammenarbeit mit kriminellen tschetschenischen Gangs gegründet haben. Dafür sollen sie ihm in den unsicheren Anfangszeiten Schutz gewährt haben. 1994 eskalierte der Kampf um den Moskauer Autohandel in blutige Kämpfe zwischen den Tschetschenen und der Moskauer Solntsevo-Gang. Ergebnis: 10 Tote und Beresowski selber überlebte ein Attentat auf ihn.


Jewgeni Shaposhnikov
Shaposhnikov (8K)

- 1995-1997 Generaldir. Aeroflot
- Zahlreiche Gelder auf ausländische Konten veruntreut
- ab März 1997 Berater von Jelzin


Aleksander Krasenker
- eh. Generaldir. LOGOVAZ
- ab 1995 Vertriebschef Aeroflot
- 2004 zu 2 ½ Jahren Haft verurteilt, aber er kam in den Genuss einer Amnestie


Nikolai Gluschkow
- Mitgründer LOGOVAZ
- CFO Aeroflot
- 2001 verhaftet
-2004 zu 3 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt


Valdimir Kadannikow
kadannikov2 (8K)

- ab 1986 General Dir. AvtoVaz
Er schloß einen Pakt mit Beresowski zur Plünderung des Konzerns. Hohe Gewinn wurden aus Avtovaz herausgezogen und zu Logovaz verschoben
- 1996/97 Vize-Premierminister

Vermögen:
Finans 2004: > 500 Mio $


Badri Patarkatsishvili
patarkascivili (14K)

- rechte Hand von Beresowski in zahlreichen komplexen Deals
- er saß im Vorstand von zahlreichen Firmen, in den Berezwosky Interesen hat (ORT, TV6, LogoVAZ and bis Juni 1999 Sibneft)
1997 enger Partner von Beresowski und Abramowitsch bei der Privatisierung des Sibneft Ölkonzerns. Anschliessend half er Abramowitsch beim Einstieg in den ALuminiumkonzern RUSAL.
- 2000/2001 floh er, wie sein Mentor Beresowski, vor russischen Ermittlungen (Avtovaz-Betrug) nach Georgien.
- eigenes Imperium in Georgien, wo er mit Ex-Präsident Schewardnadse befreundet ist.
Mittlerweile wird er in Rußland per Haftbefehl gesucht und er lebt nun in London. 2008 will er für die Präsidentschaftswahlen in Georgien kandidieren.