Wladimir Bogdanow (1951- )
Sein ganzes Leben stand im Zeichen des sibrischen Öls. Aufgewachsen in der ölreichen Region Tuymen in Westsibirien, studierte Wladimir Bogdanow Öltechnik und stieg als Produktionsleiter bis 1984 zum Konzerchef des sowjetischen Ölkonzerns Surgutneftegas auf. Mittlerweile gilt er als einer der dienstältesten Konzernchefs in Russland.
Der Sowjetdirektor übernimmt seine Firma
Ähnlich wie sein Ölkonkurrent Yagit Alekperow (Lukoil) konnte Bogdanow seinen Posten auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion behalten und ihn in seine Kontrolle privatisieren. Dabei profitierte Bogdanow besonders von der ersten Privatisierungwelle mittels Anteilsscheinen für die Bevölkerung.
Bogdanow und seine Manager erwarben über diverse Finanzunternehmen bis 1997/98 insgesamt 85% am Surgutneftegas-Konzern. Besonders dubios war 1997 der Kauf einer 40 % Beteiligung. Diese Auktion wurde als Rückfall in die Insidergeschäfte der vergangenen Jahre gewertet, denn der gezahlte Preis lag mit 73,5 Mio $ nur gering über dem Mindestpreis. Es gab auch nur einen Mitbewerber.
Bis heute ist die Eigentümerstruktur sehr verschachtelt, vielfach über Offshoregesellschaften.
Strategie
Surgutneftegas ist heute der 2.größte Ölkonzern Rußlands. Anders als die großen Konkurrenten konzentriert sich der Konzern ganz auf Westsibirien und Bogdanow gilt als ausgesprochen starker sibirischer Patriot.
Hauptschwerpunkt waren bis 1994 die Erschließung und die Produktion von Ölquellen. Erst danach baute der Konzern Ölraffinerien zur Verarbeitung des eigenen Öls. Die gesamten Ölreserven der Gesellschaft befinden sich in der Region Chanty-Mansy. Außerdem besitzt Surgutneftegas eine Raffinerie in der Region Leningrad und damit verbundene Vertriebsstrukturen in Russlands Nordwesten.
Surgutneftegas gilt als ein konservativ geführter Konzern, der große Geldreserven besitzt, aber kaum ausländische Investoren anlockt. Die Strategie lag nicht so sehr auf einer schnellen Expansion und Internationalisierung, sondern in der Modernisierung der vorhandenen Strukturen, unter Vermeidung von Schulden. Die Finanzkrise vom August 1998 überstand Surgutneftegas so ohne Probleme und profitierte sogar vom gestiegenen Rubelwert seiner Exporte. Schwachpunkte des Konzerns sind die Vermarktung und Weitererarbeitung des Öls.
Netzwerk
Bogdanow stand in einer engen Verbindung zur Uneximbank des Oligarchen Wladimir Potanin. Diese Bank ging aus dem sowjetischen Außenhandelskomplexes hervor. Zahlreiche Außenhandelsorganisationen transferierten ihre Gelder auf die Konten der Bank, an der sie dann beteiligt wurden. Surgutneftegas gehörte zu den größten Aktionären der Bank, die 1998 in Konkurs ging und dann in der Nachfolgebank Rosneft von Potanin aufging.
Bogdanow steht in enger Verbindung mit dem führenden Silowiki Igor Setschin, dem starken Mann beim größten russischen Ölkonzern Rosneft, der durch die Übernahmen von Jukos und Sibneft große Teile der Ölindustrie renationalisierte. Schon seit Jahren wird über eine Übernahme von Surgutnefetgas durch Rosneft spekuliert. Insbesondere die 36 Milliarden $ (2015) Cash-Reserven des Konzerns sind ein attraktives Übernahmeziel.
Eine wichtige Beziehung besteht auch zu Putin`s inneren Zirkel, der Bank Russia, in der sich verschiedene Elitegruppen aus der nächsten Nähe zu Putin bündeln. Surgutneftegas ist an der Bank Russia beteiligt und engagierte sich mit Mitgliedern der Bank Russia Gruppe bei der Übernahme verschiedener Medienbeteiligungen.
Auch der größte Aufsteiger der Putin-Zeit, G. Timtschenko, pflegt gute Beziehungen zu Bogdanow, denn durch den Export von Surgutneftegas-Öl zu Beginn der 1990er Jahre verdiente Timtschenko seine ersten Millionen. Auch gemeinsame Investments verbinden: Auch Timtschenko ist Aktionär der Bank Russia.
Autor dieser Seiten: Netstudien (Dienstleister für Recherchen, Analysen und Studien.)
Gennadi Timtschenko, Arkadi und Boris Rotenberg und die Bank Russia-Gruppe verdanken ihren Aufstieg ihren engen Verbindungen zu Präsident Putin. Sie gelten als Putin`s Milliardäre und stehen auf der Sanktionsliste von USA und EU. Timtschenko stieg im Ölhandel auf, während Rotenberg und die Bank Russia-Gruppe in erster Linie durch die Plünderung von Gasprom sehr reich wurden.