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Wie entstanden Rußlands große Vermögen?
 
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Alexander Putilow und Sergei Bogdantschikow

Die beiden Ölmagnaten Putilow und Bogdantschikow stehen für verschiendene Entwicklungsphasen im staatlichen ROSNEFT-Ölkonzern. Putilow führte den Konzern bis 1998 als Selbstbedienungladen für Manager und Provinzfürsten. In dieser Zeit verlor der Konzern Marktanteile und an Bedeutung gegenüber den privatisierten Konkurrenten.

Erst der 1998 eingesetzte Sergei Bogdantschikow schaffte den Turnaround und einen rasanten Aufstieg zu einem der mächtigsten und politisch einflußreichsten Konzerne. Er gilt auch als einer der Drahtzieher hinter dem staatlichen Vorgehen gegen seinen Konkurrenten Yukos.

Alexander Putilow: Ein Ölkonzern wird ausgeplündert

Alexander Putilow führte den staatlichen Ölkonzern ROSNEFT fast eine Dekade lang wie einen Privatkozern, denn die Regierungskontrolle über den Konzern wurde nur sehr vage ausgeübt und der Konzern verkam zum Selbstbedienungsladen. Mitte der 90er Jahre galt Rosneft als einer der am schlechtesten gemanagten und strukturierten Konzerne Russlands.

Rosneft wurde 1995 in eine eigenständige, staatliche Ölgesellschaft umgewandelt. Zu diesem Zeitpunkt vereinigte Rosneft die staatlichen Ölbetriebe, die noch keiner anderen Gesellschaft zugeschlagen worden waren. Ökonomische Effizienzgesichtspunkte waren dabei nicht berücksichtigt worden, so dass die Betriebe von Rosneft über das ganze Staatsgebiet verstreut waren.

Rosneft war zu diesem Zeitpunkt eine Art Holdinggesellschaft für 35 große Tochtergesellschaften und Beteilgungen an 100erten Firmen. Zahlreiche wertvolle Vermögenswerte wurden dem Konzern über dieses Firmengeflecht entzogen und landeten auf ausländischen Konten von Managern und Politikern.

Die Liste der Mißerfolge ist lang: So verlor Rosneft zahlreiche Raffinerien an Konkurrenten oder sie gingen in Konkurs, in der Ölregion Sacharin wurden hohe Millionenbeträge in den Sand gesetzt. Besonders schmerzlich war der Verlust einer der reichsten Ölkonzessionen Timano-Pechora an den amerikanischen EXXON-Konzern.

Durch Insiderdeals zugunsten von einigen Managern verlor Rosneft sogar einen 51% Anteil an der produktivsten Tocchtergesellschaft Purneftegaz. Erst durch Intervention von Präsident Jelzin wurde der Deal dann 1998 gestoppt.

Putilow mußte 1998 seinen Chefposten räumen. 2002 repräsentierte er dann die Interessen des britischen Ölkonzerns BP bei seiner russischen Beteiligung Sidanko Oil.

Sergei Bogdantschikow: Erfolgreiche Sanierung

1998 war Rosneft der letzte große staatliche Ölkonzern, der privatisiert werden sollte. Zahlreiche Oligarchen versuchten sich in Position zu bringen, um einen weiteren profitablen Deal zu machen. Aufgrund der damaligen Wirtschaftskrise und niedriger Ölpreise verschob jedoch die Regierung die Privatisierung mehrfach.

Der neue Konzernchef Sergei Bogdantschikow (1957- ) ist ein echter Ölexperte und gilt heute als ein der fähigsten Manager Rußlands. Der Ölingenieur war zeitlebens in der Ölregion Sacharin in verschiedenen Managementpositionen tätig. 1993 stieg er zum General Direktor der Rosneft-Tochtergesellschaft Sakhalinmorneftegaz auf und 1998 ernannte ihn Premierminister Jewgeni Primakow zum neuen ROSNEFT-Konzernchef.

Bogdantschikow reorganisierte den Konzern, entwickelte die lukrativen Ölvorräte in Sachalin durch effektive Produktionsmethoden und holte ehemalige Besitzertümer, die der Konzern durch Insiderdeals verloren hatte, zurück in den Konzern, finanziert durch die größte russische Bank: die staatliche Sber-Bank.

Putins Favorit

Bogdantschikow gilt als heftiger Befürworter eines starken Staates und von Präsident Putin. Sein Ziel ist die Konsolidierung aller staatlichen Beteiligungen im Ölsektor in eine nationale Ölgesellschaft namens GOSNEFT.

Damit soll ein Gegengewicht gegen die starken Oligarchen geschaffen werden. Bogdantschikow möchte dann alle Ölverkäufe zentral abwickeln, die unter dem "Production-Sharing Agreement (PSA)" mit ausländischen Partner laufen. Dies wäre sehr lukrativ für Rosneft und den Staat und gleichzeitig könnte der Staat damit die ausländischen Investments im Ölbereich kontrollieren.

Alte Feindschaften und der Showdown mit Jukos

Bogdanowich ist noch längst nicht an seinem Ziel angelangt, wie die Privatisierung des staatlichen Ölkonzerns Slavneft im Dezember 2002 aufzeigte. Ausgerechnet sein Erzfeind Abramowitsch und dessen Ölkonzern Sibneft konnte sich einen 74,95% Anteil für 1,86 Milliarden $ sichern. Abramowitsch`s Partner war der Tuymen-Ölkonzern der Oligarchen Fridman und Wechselberg.

Doch Mitte 2003 wendeten sich die Machtverhältnisse. Rosneft befand sich schon monatelang im Zwist mit dem Konkurrenten Jukos um Ölbeteiligungen und nutzte geschickt seine politischen Kontakte, um die Auseinandersetzungen auf eine höhere Ebene zu schieben. Mitte Juli 2003 löste dies die Ermittlungslawine gegen Jukos aus, in deren Gefolge die Yukos-Manager Khodorkowski und Lebedew verhaftet wurden.

Bogdantschikow, der eng mit Putins Banker Sergei Pugatschew und der Tschekisten-Fraktion in der Putin-Administration verbunden ist, versuchte auf allen Ebenen, seinen Konkurrenten Khodorkowski auszuschalten. Mit Erfolg, wie sich zeigte. Denn Nutznießer der De-Facto Enteignung des Jukos-Konzerns war der Rosneft-Konzern, der in einer äußerst fragwürdigen Auktion die Ölproduktionsfirmen von Jukos zu einem sehr günstigen Preis übernehmen konnte und dadurch zum drittgrößten russischen Ölkonzern aufstieg.
Durch den Börsengang 2006 in London wurde der Konzern auch einer breiteren Masse außerhalb Rußlands bekannt.

Severnaya Neft (Northern Oil)

Im Jahre 2003 kaufte Lukoil den Ölkonzern Severnaya Neft (Northern Oil) für 600 Millionen $ auf, der von hochrangigen ehemaligen Ministern geleitet wurde:

Andrei Wawilow (1961- )
Wawilow ist ein gut vernetzter Politiker und Manager. Fünf Jahre amtierte er als Vize-Finanzminister, bis 1997 leitete er die MFK-Bank und anschließend übernahm er die Leitung von Northern Oil, die sich mit fast jedem der großen Ölkonzerne anlegte. Der heutige Senator Wawilow besitzt ein Vermögen von schätzungsweise 400 Millionen $ (Finans 2007).

Alexander Samusew (1957- )
Auch der ehemalige Präsident von Northern Oil hat beste Kontakte. Unter Premierminister Tschernomyrdin amtierte er von 1992 bis 1994 als Vize-Energieminister. Damals schuf er die Grundlagen für die Umwandlung der staatlichen Ölkonzerne in Aktiengesellschaften. Nach dem Ausscheiden aus dem Ministerium übernahm er einen hohen Posten im Ölkonzern Yukos und danach bei Northern Oil. Sein Vermögen wird auf 130 Millionen $ geschätzt. (Finans 2006)

Machtkampf gegen Gasprom

Im September 2005 verkündete der Kreml überraschend die geplante Fusion des staatlichen Ölkonzerns Rosneft mit dem staatlichen Gasmonopolisten GASPROM, der Grundstein für einen schlagkräftigen staatlichen Energieriesen. Durch den Aktientausch wollte der Staat seinen Anteil an Gasprom über die 50% Marke heben. Der bisherige Rosneft-Präsident Bogdantischkow sollte die fusionierten Ölfirmen der beiden Firmen in der neuen Holding Gaspromneft leiten. Doch die Fusion scheiterte vorerst an rivalisierenden Flügeln in der Putin-Administration und im Streit um die Führung des geplanten Konzerns.

Der starke Mann hinter Rosneft ist der Aufsichtsratsvorsitzende Igor Setschin, die graue Eminenz in der Präsidialverwaltung von Putin und Anführer der Silowiki, der alten Sicherheitsapparates und der Geheimdienste. Im gegenüber steht Medwedew, der starke Mann bei Gasprom und der designierte Nachfolger von Putin als Staatspräsident. Beide Fraktionen versuchen seit Jahren Öl- und Gasbeteiligungen in ihren Einflußbereich zu lotsen.

Ende 2007 verdichten sich die Anzeichen, dass auch die Ära Bogdatschikow sich dem Ende zuneigen könnte. Setschin sorgte für den Abgang von 3 Rosneft-Vize-Präsidenten, die als loyale Männer Bogdantschikows galten.

Unklar ist auch die Zukunft von Rosneft. Mittlerweile ist der Konzern durch die Jukos-Aufkäufe so hoch verschuldet, dass sogar über Verkäufe von ehemaligen Jukos-Gesellschaften nachgedacht wird. Und dafür käme wohl nur ein staatlich kontrollierter Konzern in Frage: In erster Linie wohl Gasprom. Setschin versucht nun 2007 alle möglichen Geldquellen anzuzapfen, um die Beteiligungen bei Rosneft halten zu können. Dabei hat er auch den russischen Ölstabilisierungsfonds im Auge (158 Milliarden $). Dabei stieß er auf den Widerstand von Finanzminister Kudrin. Überraschenderweise wurde dann im Oktober 2007 der Vize-Finanzminister unter angeblichem Betrugsverdacht vom russischen Geheimdienst verhaftet. Viele Beobachter in Moskau deuten dies als Drohung Setschins, dem die Zeit wegzulaufen droht, denn sein Erzrivale und Gazprom-Mann Medwedew wird 2008 zum Stastspräsidenten gewählt werden.

Stand: 20.12.2007

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