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Wie entstanden Rußlands große Vermögen?
 
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2. Phase: Aktien-für-Kredite oder "Wie bekommt man Staatskonzerne zu Spottpreisen?"

Im Vorfeld der Präsidentenwahlen 1996 sah es düster aus für Jelzin. Den Oligarchen der ersten Stunde wurde bewusst, dass bei den bevorstehenden Neuwahlen Jelzin durch den kommunistischen Kandidaten abgelöst werden könnte. Amtsinhaber Jelzin lag bei Umfragen Ende 1995 nur noch bei alarmierenden 2 % der Wählergunst. Für die Oligarchen stand damit ihr neuerworbenes Vermögen und ihre Machtstellung auf dem Spiel.

Ende März 1995 präsentierte der Oligarch Wladimir Potanin, den Jelzin zum Vizepremier ernannt hatte, seinen "Share-for-Loans"-Plan im Kreml. Ein Konsortium von Banken bot dem Staat einen 1,8 Mrd $ Kredit an, der durch Anteile an Staatskonzernen abgesichert werden sollte. Der russische Staat steckte zu diesem Zeitpunkt in großen Finanzschwierigkeiten und erhoffte sich aus der Privatisierung dringend benötigte Finanzmittel.

Nach dem Ende der 1-jährigen Kreditlaufzeit sollte der Staat die Anteile wieder zurückkaufen können. Der Clou an der Sache war jedoch die Tatsache, daß wenn der Staat die Kredite nicht ordnungsgemäß begleichen sollte, die Anteile endgültig an die Kreditgeber übergehen. Potanin überzeugte den Chefreformer Tschubais, dass sie mit diesem Programm die Macht der Roten Direktoren"" brechen könnten.

Noch vor den kritischen Präsidentschaftswahlen wurden dann Filetstücke der russichen Wirtschaft im Rahmen des Share-for-loans-Programmes, das Ende August 1995 genehmigt wurde, an Banken und Kapitalgruppen versteigert.

Belohnung für Jelzin-freundliche Oligarchen

Tschubais wollte die Großkonzerne mit Hilfe eines Auktionsverfahrens an ausgewählte Bieter versteigern. Das Verfahren hatte der Oligarch Potanin entwickelt und geleitet wurden die Auktionen vom neuen Präsidenten der Privatisierungsbehörde, Alfred Koch.

De-facto war die Privatisierung die erste Phase in der Wiederwahlkampagne von Jelzin, denn zum Zuge kamen ausgewählte Oligarchen, die Jelzins Wahlkampf mitfinanzierten. Die Auktionen wurden so durchgeführt, dass die Zuteilung und Durchführung der Auktionen vor den Wahlen stattfand. Die eigentliche Übernahme geschah jedoch erst nach den Wahlen. Die Oligarchen hatten also ein sehr großes Interesse an der Wiederwahl Jelzins gegen die Kommunisten.

Fingierte Auktionen

Der Ablauf der Auktionen entsprach keinem geordneten, transparenten Verfahren. Teilnehmen konnten nur ausgewählte Banken und Finanzgruppen, auf Einladung der Präsidialverwaltung und der engsten Jelzin-Clique. Finanzstarke ausländische Mitbieter und andere Konkurrenten wurden mit allen möglichen Tricks und technischen Verfahren von den Auktionen ausgeschlossen.

Der Kompagnon von Michail Chodorkowski, Kogalovsky, führte eine erfoglreiche Kampagne durch, um die Auktionsregeln so zu erstellen, dass gerade im Ausland Zweifel an der Rechtssicherheit bestanden. Mit Erfolg: Durch den Ausschluss der Ausländer sank der potentielle Preis enorm.

Die Auktionen wurden von bestimmten Banken durchgeführt, die auch mitbieten durften. In der Regel gewannen sie auch die Auktionen. Meistens lag der Kaufpreis nur knapp über dem sehr niedrig angesetzten Mindestangebot.

Der Staat kann nicht zahlen und die Oligarchen erhalten die Konzerne für einen Spottpreis

Im ersten Schritt hatten sich einige Oligarchen Anteile an Großkonzernen zu Spottpreisen gesichert. Wenigstens vorübergehend, da der Staat die Anteile nach einer Kreditrückzahlung wiederkaufen konnte. Doch dazu kam es nicht. Die stets finanzklamme Regierung beglich keinen der Kredite und die Kontrolle an den Konzernen ging endgültig an die Oligarchen über.

Die Entscheidung über eine mögliche Verlängerung der Frist für die Kreditrückzahlung lag in der Verantwortung eines Mannes: V. Potanin, Bankier und Oligarch. Er hatte sich den Zuschlag über den Rohstoffkonzern Norislk Nickel gesichert und war damit in seiner Entscheidung mehr als befangen.

Jelzins Pakt mit den Oligarchen

Die Mehrzahl der Finanzmagnaten verdankten ihren Aufstieg ihren guten Kontakten zu Regierungsstellen und Politikern. Allerdings war es in Jelzins Russland nicht einfach, den Kontakt zu dem präsidialen Führungszirkel zu halten. Die Kräfteverhältnisse und die Personalkonstellationen im Umfeld des Präsidenten wechselten rasch und die Oligrachen befehdeten sich gegenseitig.

Im Januar 1996 schmiedeten die führenden Oligarchen (Berezovski, Gussinski, Potanin u.a) eine Allianz, um eine Wahl des Kommunisten Sjuganov zum Staatspräsidenten zu verhindern. Sie boten Jelzin an, seinen Wahlkampf zu finanzieren und ihre Medienorgane für eine Großkampagne einzusetzen. Organisiert wurde die fulminante und harte Kampagne, die einen dreistelligen Millionen $ Betrag kostete, vom führenden Reformer Tschubais. Da die Oligarchen ihre Konzerne, die sie bei den Auktionen gewonnen hatten, erst im September 1996 wirklich übernehmen konnten, hatten sie ein sehr starkes Interesse, Jelzin gewinnen zu sehen.

Die Medienimperien von Gussinski und Beresowski legten mit ihrer beherrschenden TV-Präsenz den Grundstock für die anfangs des Jahres nicht für möglich gehaltene Wiederwahl Jelzins.

Zerstrittene Oligarchen

Die Allianz der größten Oligarchen des Landes währte nicht sehr lange. Der Streit um die Zuschläge für weitere Privatisierungen Anfang 1997 (u.a. Svyazinvest) führten zu einem offen ausgetragenen Finanz- und Medienkrieg der mächtigsten Finanzgruppen. Einige Oligarchen warfen Tschubais vor, die Unexim-Gruppe von Potanin bei den Privatisierungen bevorzugt zu haben. Im Laufe des Jahres stoppte Jelzin dann endgültig die share-for-loans Deals.

Der Oligarch Boris Beresowski entwickelte sich immer stärker zum einflussreichsten Oligarchen. Er war an der Schwächung von Tschubais entscheidend beteiligt und galt als eine der Schlüsselfiguren der regierenden "Jelzin Family".

Zwei weitere Personen von Gewicht wurden dem engeren Kreis zugerechnet: Pawel Borodin, der das nicht unbeträchtliche Vermögen der Präsidialverwaltung verwaltete, und Roman Abramowitsch, ein enger Vertrauter der Jelzin-Zochter und Bankier der Jelzin-Familie. In den Jahren 1998 und 1999 kontrollierte dieser Kreis, wer Zutritt zum kranken Präsidenten erhielt.

Im Frühjahr 1998 leitete ein überraschender Regierungswechsel eine Phase der Irritation im Verhältnis zwischen politischer Führung und Finanzmagnaten ein. Der neue Miisterpräsident Kirienko nahm bei der Bildung seines Kabinetts keine Rücksicht auf die Interventionen der Finanzgruppen. Tatsächlich wurde unter Kirienko das in den letzten Jahren gewachsene System von Beziehungen zwischen Politik und "Oligarchen" ernsthaft gestört.  

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Die aktuellsten Entwicklungen in Russland im Blog


norilsk-logo (1K)
Der Vater de Privatisierungsprogramms Potanin gehörte gleichzeitig zu den größten Nutzniessern. Er sicherte sich einen 38%-Anteil an einem der größten Metallkonzerne für nur 170 Mio $, ganze 100 000 $ über dem Startpreis der Autkion. Potanin gab über Scheinfirmen 3 Angebote ab und ein viel höheres Angebot über 355 Mio $ von Rossiisky Kredit wurde aus technischen Gründen von der durchführenden Unexim-Bank nicht zugelassen. Besitzer von Unexim war V. Potanin.

Preisvergleich
 


sidanco (1K)
Potanin kaufte auch noch einen 51%-Anteil am Sidanko-Ölkonzern für 130 Mio $. 1 Jahr später verkaufte er einen 10% Anteil für 571 Mio $ an BP. Ein wahrhaft profitables Geschäft.


lukoil-eng (2K)
Zwei "Rote Direktoren" sicherten sich die grossen Ölkonzerne, die sie schon seit langem leiteten: Alekperow (Lukoil) und Bogdanow (Surgutneftegaz).


    yukos (1K)
Der Grundstein für den Aufstieg von Chodorkowski zum reichsten Russen wurde durch die Yukos-Privatisierung gelegt. Chodorkowskis Bank MENATEP führte die Auktion durch und schaltete die ausnahmsweise sehr ernsthafte Konkurrenz durch eine Allianz von Inkombank, Alfa-Bank und Rossiisky durch technische Tricks und Lobbyarbeit aus.

Die Chodorkowski-Gruppe zahlte für einen 45%-Anteil am größten Ölkonzern nur lächerliche 159 Mio $. zusätzlich erhielt sie auch den Zuschlag für einen 33 % Anteil für Investitionszusicherungen in Höhe von 150 Mio $.
Das besondere bei diesem Deal war, dass Chodorkowski schon vor der Auktion sehr gute Kontakte zum amtierenden Yukos-Präsidenten Murawlenko hatte, der ihm für den Kauf von Yukos-Aktien sogar Kredit von Yukos gab. Mit anderen Worten: Chodorkowski kaufte den Yukos-Konzern mit Yukos-Geldern und mit Geldern des Finanzministeriums, deren Depositen seine Bank verwaltete.


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Der einflussreichste Tycoon im Kreml, B. Beresowski, sicherte sich mit Sibneft die grösste und modernste Raffinerie samt großen Produktionsfirmen. Auf sein Drängen wurde Sidanco in aller Eile Ende Sept. 1995 aus dem staatlichen Ölkonzern ausgegliedert und schon Ende Dezember 1995 in einer der letzten Auktionen versteigert. Mit Hilfe einer Finanzierung durch den Bankier Smolenski zahlte Beresowski 100,3 Mio $. Die Auktion begann bei 100 Mio $.