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Alexander Lebedew (1959- )

lebedev-alex (21K) Der extravagante Geschäftsmann Alexander Lebedew gilt als der reichste ehemalige KGB-Offizier, der in der Wirtschaft tätig ist. Als Bankier, mit Deckung durch den Gasmonopolisten Gazprom, kontrolliert er mit Aeroflot die größte Fluglinie Russlands.

Der Spion, der in die Wirtschaft ging

Zu Gorbatschows Zeiten deutete nichts auf die steile Karriere des Alexander Lebedew hin. Nach einem Sprachstudium ging er als Diplomat 1988 für vier Jahre nach London. Doch er musste keine Visa verlängern, sondern befasste sich als Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB mit den Finanzströmen des Kapitalismus. Sein Ziel war die Eindämmung der massiven Kapitalflucht aus Russland.

In diesen vier Jahren lernte er alles über die Wirkungsweisen des Marktes und entwickelte sich zum internationalen Finanzexperten. Nach seiner Rückkehr 1992 gründete er in Moskau die "Russian Investment Company".

Der Bankier mit einem mächtigen Gönner

Den rasante Aufstieg von Lebedew verdankt er in erster Linie dem ehemaligen Gazprom-Präsidenten Victor Tschernomyrdin, der 5 Jahre als Premierminister amtierte. Lebedew gilt als enger Verbündeter von Tschernomyrdin, der ihm 1995 bei der Gründung seiner "National Reserve Bank" (NRB) half. Gazprom gilt als einer der Hauptaktionäre der Bank und hohe Geldströme des Milliardenkonzerns werden über die Bank abgewickelt.

Als 1998 fast alle grossen Banken im Strudel der russischen Wirtschaftskrise in die Insolvenz gerissen wurden oder nur durch hohe Staatshilfen überlebten, konnte die NRB-Bank sicher bestehen. Sie verlor zwar 150 Mio $ durch Staatsanleihen, die sie nach der rapiden Währungsabwertung abschreiben musste, doch mit dem grössten russischen Konzern im Rücken überlebte sie diesen Aderlass.

Kontrolle über Aeroflot

Lebedew schuf sich im Flugwesen ein zweites Standbein neben seinen Bankgeschäften. Seine NRB-Bank kontrolliert die Flugleasinggesellschaft Ilyushin Finance Corp., der u.a. die Flugzeugproduzenten Ilyushin und VASO gehören.

Wichtiger ist jedoch die 30% Beteiligung an der nationalen Fluglinie Aeroflot, die er zum allergrößten Teil vom Oligarchen Roman Abramowitsch erwarb. Lebedew möchte weitere Flugzeugproduzenten und Fluglinien aufkaufen, um einen starken internationalen Player aufzubauen.

Hauptkonkurrent im Flugbereich ist die Alfa-Gruppe des einflussreichen Oligarchen Fridman. Dieser sicherte sich gegen Lebedew die Kontrolle über den Scheremetyevo-Flughafen, Hauptbasis von Aeroflot. Dazu will Alfa im Jahre 2005, wenn die russische Regierung ihren 25% Anteil an Aeroflot privatisiert, gegen Lebedew und die NRB-Bank bieten. Wenn die NRB-Bank den Zuschlag bekommen würde, hätte sie mit einem 55%- Anteil die Mehrheit an Aeroflot. Chairman von Aeroflot ist schon seit Jahren der Schwiegersohn von Jelzin, Waleri Okulow.

Neben den Beteiligungen im Flugbereich besitzt Lebedew noch Aktienpakete am Strommonopolisten UES und am Gasmonopolisten Gazprom. Diese Investments sind mittlerweile ein Vielfaches wert als Lebedews Beteiligung an der NRB-Bank

Politische Ambitionen

Lebedew profitierte in der Jelzin-Ära in erste Linie von seinen engen Verbindungen zum langjährigen Premierminister Tschernomyrdin, doch auch unter Putin werden ihm erstklassige Verbindungen nachgesagt.

1999 wurde Lebdev zum Vorsitzender der Partei "Unser Haus Russland gewählt" und zog als Abgeordneter in die Duma ein. Im Dezember 2003 kandidierte er gegen den populären Amtsinhaber Luschkow für den Oberbürgermeisterposten in Moskau und erhielt 12,3% der Stimmen.

Im Oktober 2005 geriet dann auch Lebedew ins Visier der staatlichen Ermittler, die Aktien an der Iljuschin-Finanz wegen Falschbuchungen beschlagnahmten. Lebedew soll den Staat beim Einstieg in die Gesellschaft, die den Flugzeugbauer Iljuschin kontrolliert, 2003 übervorteilt haben, obwohl zahlreiche staatliche Stellen damals ihre Zustimmung für den Deal gaben. Offensichtlich ist Lebedew trotz seines Unterhaus-Mandates für die Kreml-Partei Einiges Russland,ein weiterer Oligarch, der in Ungnade gefallen ist. Lebedew selbst befürchtet, dass der Kreml ihm die Kontrolle über die Flugzeugkonzerne Iljuschin und Aeroflot entreissen möchte.

Stand: 1.2.2006

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Wprost 2003: 750 Mio $
Forbes 2004: 1,4 Mrd $
Forbes 2006: 3,5 Mrd $
Forbes 2007: 3,7 Mrd $

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